UNSERE PHILOSOPHIE DES »BEFREITEN MUSIZIERENS«

Ausführliche Gedanken über die musikalischen Zusammenhänge, welche zur Entstehung der Erdklangflöte geführt haben.


Der beschwerliche Weg zur Musik

Viele von uns haben bestimmt schon einmal den Wunsch verspürt, selbst ein Musikinstrument zu spielen. Häufig ist es jedoch bloß beim Gedanken daran geblieben; oder ein angefangener Versuch wurde nach einiger Zeit wieder abgebrochen, weil die Hürden unüberwindbar schienen. Die Musik stellt uns jedoch keine Hürden in den Weg, wir selbst bauen uns unnötige Hindernisse, die uns den Zugang zur Musik erschweren. Aber auch für jemand der sich bereits entschlossen hat, den Weg des Musikers zu gehen, ist eine tiefer greifende musikalische Erfüllung nicht garantiert. Viele, wenn nicht alle Musiker, schwärmen von jener speziellen Erfahrung eines Konzertes, in dem alles »perfekt« gelaufen ist.

Eine häufige Aussage die hier zu hören ist: »traumhaft, es war wie wenn es durch mich gespielt hat«, oder: »es war, wie wenn jemand anders durch mich gespielt hat und ich war Zuhörer meiner selbst«. Es sind jene höchsten Momente, nach denen ein Musiker ein Leben lang strebt (falls nicht Routine den musikalischen Alltag übernommen hat, wie das vielen Berufsmusikern widerfährt).

Musik studieren, das bedeutet Jahre des täglich stundenlangen Übens, alleine mit dem Instrument und später vielleicht auch im Ensemble. Dies ist aber erst die eine Hälfte. Umfangreiches theoretisches Wissen ist notwendig, um die musikalischen Zusammenhänge zu verstehen. Dazu kommt das Erlernen des fehlerfreien Spiels ab Partitur (Noten), welches uns erst überhaupt ermöglichen soll, ein Musikinstrument vollkommen zu »beherrschen«. Dann kommen die zahlreichen Prüfungen während des Studiums, begleitet von allgegenwärtigen Unsicherheiten und Ängsten, ob man es schaffen wird... Schöne Welt der Musik! Viele haben Hemmungen überhaupt ein Instrument anzurühren, weil ihnen das Musizieren zu elitär erscheint. Andere haben schlechte Erfahrungen aus der Kindheit mitgenommen – der sture Klavierlehrer, die strenge Blockflötenlehrerin, den Zwang zum Notenbüffeln... Das prägt und blockiert natürlich den Zugang zur Musik, auch wenn im Kern Musikalität vorhanden wäre.



Ein neuer Ansatz

Wie viel schöner wäre es, wenn man als SpielerIn musikalische Höhepunkte ohne dieses mühsame Abverdienen erreichen könnte. Doch daran glauben offenbar die Wenigsten. Schade, denn was hindert uns eigentlich daran, diesen »musikalischen Traum« direkt anzusteuern? Es ist vor allem das Leistungsdenken, dass uns denn Weg dorthin verbaut.


Drehen wir das Ganze doch einfach mal um 180 Grad und betrachten die Angelegenheit von der Gegenseite: Statt durch hartes Üben und Studieren den Weg dorthin zu schaufeln, könnte man nicht auch versuchen alle jene Hindernisse zu umgehen, welche den Zugang zu dieser musikalischen Erlebnisfähigkeit versperren, die in allen von uns vorhanden ist? Nicht die Spieltechnik soll die Musik formen, sondern umgekehrt: Die Musik formt die Handhabung des Instruments. Ähnlich wie ein kleines Kind, das gehen und sprechen lernt ohne darüber nachzudenken (»learning by doing«). 

Musik fängt bereits beim ersten Ton an und nicht erst nach jahrelangem Üben! Wir lassen uns also von der Musik selbst führen. Unser eingeprägtes Leistungsdenken ist jedoch ständig besorgt um die Zukunft: »Wieviele Jahre muss ich üben, bis ich das Instrument beherrsche«? Vielmehr sollte man sich an dem erfreuen können, was man bereits erreicht hat. Der Weg sollte hier das Ziel sein.


Welches Instrument?

Ein einfach zugängliches Instrument unterstützt diese Vorgehensweise natürlich sehr. Nebst einer bequemen, ergonomischen Spielbarkeit steht hier nicht eine möglichst große Anzahl spielbarer Töne (Tonumfang) im Vordergrund, sondern die Ausdruckskraft der Töne. Ähnlich wie ein Sänger, der ja auch jeden einzelnen Ton seiner Stimme auskostet. Aber auch Virtuosität hat primär nichts zu tun mit musikalischer Ausdruckskraft. Immer wieder erlebt man Profi-Musiker, die nicht getragen (langsam) spielen können. Im virtuosen Spiel mag dann vielleicht Energie »rüberkommen«, aber vielleicht spiegelt sich hier eher die Energie des Körpereinsatzes wider, welches virtuoses Spielen dem Musiker abverlangt. Das hat jedoch nichts mit musikalischer Ausdruckskraft zu tun. Weil eben heutzutage das Musizieren oft zu Leistungsbezogen angegangen wird, verliert man Wichtiges aus den Augen. Dabei kommen die inneren Werte zu kurz. Ein einzelner Ton mit Hingabe gespielt, bewirkt im Zuhörer (und im Spieler) viel mehr, als technisch perfekte, aber seelenlose Dudelei.

Wenn ein Instrument bereits im vornherein eine musikalische Ausdruckskraft mitbringt (»beseelt« ist), reichen schon wenige Töne um eine Atmosphäre zu kreieren, während man sich bei einem dünn klingenden Instrument stärker abmühen muss, um »eine Botschaft« an den Zuhörer zu vermitteln. Für das Erlernen des unbefangenen, freien Musizierens ist es zudem von großem Vorteil, wenn das gewählte Instrument nicht allzu bekannt und dadurch »vorbelastet« ist. Eine Geige, Klavier, Blockflöte usw. kennt jeder; der Zuhörer weiß, wie diese Instrumente klingen »müssen«, wenn sie "richtig" gespielt werden. Hier sind Erwartungen angesetzt. Auch der Spieler muss sich dem unterordnen, (außer er ist ein sehr eigenständiger Individualist, der sich nicht beirren lässt).

Dieses »Eingeordnet« werden ist ein großes Hindernis für jemand, der eines dieser Instrumente unbefangen spielen möchte. Ein unbekanntes, neues Instrument kennt diese Barrieren nicht. Es ist sozusagen »unbelastet« und steht uns zur freien Verfügung, die Musik »aus erster Hand« neu zu entdecken, Ton für Ton. Dazu braucht es weder Noten, noch hat man eine musikalische Norm zu erfüllen.


Schon der erste gespielte Ton ist »offiziell«. Man braucht sich selbst nicht zu vergleichen mit Spielern bekannter Instrumente. Es findet kein Wettbewerb mit anderen statt. Das sind ideale Voraussetzungen, um sich den freien Zugang zur Musik (zum Musizieren) zu erschließen. Nicht die Technik und das Wissen über die Musik soll uns führen, sondern die Musik selbst. Wir müssen sich ihr aber öffnen können, damit sie uns den Weg zeigen kann. Die Schwierigkeit besteht also in erster Linie, jene Hindernisse zu umgehen (beseitigen kann man ja z.B. Musiktheorie nicht, man kann sie nur umgehen), welche uns den direkten Zugang zur Musik versperren. Dies ist die eigentliche Schwierigkeit, nicht die Musik selbst.

Statt sich nur nach der Zukunft auszurichten (»wie lange muss ich üben bis ich das Instrument beherrsche«), sollte man sich vielmehr der Gegenwart widmen. »Der Weg ist das Ziel«, und das ist für befreites Musizieren Voraussetzung. Nicht was uns noch fehlt, sollte das Wichtigste sein; sondern wir sollten uns daran erfreuen, was wir schon können. Wenn man unbefangen ans Werk geht, reichen dazu schon ein paar wenige Töne eines wohlklingenden Instruments. Im einzelnen Ton steckt viel mehr als man ahnt. Ein paar Töne reichen aus um eine schöne Atmosphäre zu kreieren. Oder man könnte auch sagen: »Jeder Ton ist ein Konzert«. Dies sind die musikalischen Betrachtungen, welche zur Entwicklung des Instruments Erdklang-Flöte geführt haben. Der Name steht für voller, »erdiger« Klang.


DIE IDEE

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Die Erdklangflöte entstand aus einem lang gehegten Wunsch von Alf Jetzer, ein klangstarkes, meditatives Musikinstrument zu entwickeln, das den Zugang zum selber Musizieren entscheidend vereinfacht. Idealerweise sollte dies über eine möglichst einfach zu spielende Flöte geschehen. Auch der persönliche Ausdruck des Spielers soll mitbestimmend sein. Im Normalfall bestehen folgende Verhältnisse: Zu Beginn trägt ein Musikinstrument vielleicht 20 % zum musikalischen Gesamtausdruck bei, der Spieler muss sich die anderen 80% durch langjähriges Üben »abverdienen«. Bei der Erdklangflöte steht dieses Verhältnis etwa 50 zu 50. Das bedeutet: Das Instrument birgt bereits einen großen Anteil an musikalischer Ausdruckskraft in sich. Gemeint ist dabei nicht bloß ein schöner Klang, sondern auch das Timbre; eine Art »personifizierter«, lebendiger Klang – ähnlich wie eine Singstimme, die ja auch nicht nur Klang ist, sondern »Seele« hat.

Der neue, direkte Zugang zur Musik mit der Erdklang-Flöte

Der Werdegang der Erdklangflöte dauerte über zwei Jahrzehnte. Unser Hauptaugenmerk bei der Entwicklung galt vor allem der Kraft des Klanges – nicht in erster Linie dem Tonumfang. Denn beides lässt sich nur unbefriedigend in einer Flöte vereinigen; entweder mehr Töne und weniger Klang, oder umgekehrt. Doch nicht nur auf den Wohlklang achteten wir bei der Erfindung: Mit einer speziellen Mundstückkonstruktion gelang es uns, die Instrumentenlänge zu reduzieren. Das wiederum erlaubt leichteres Spielen, da die Finger nicht übermäßig gespreizt werden müssen. Und das Instrument sollte eine pentatonische Moll Stimmung aufweisen; damit keine Musik- oder Instrumentenkenntnisse benötigt werden, um darauf zu spielen (was Laien und Neueinsteiger besonders entgegenkommt). Alles weniger Hindernisse auf dem Weg zum freien Musizieren...


Unser Ziel bei der Entwicklung bestand ebenso, dass geheimnisvolle, sphärisch-meditative Töne entstehen. Der Wind des Atems und die Gefühle des Herzens sollen die Erdklangflöte zum Leben erwecken. Einfach die Augen schließen, spielen, improvisieren, lauschen, staunen zu können, als würde Mutter Erde mit uns kommunizieren.



In der Praxis

Auf Grund zahlreicher Rückmeldungen von Besitzerinnen und Besitzer der Erdklangflöte darf abschließend gesagt werden, dass das Instrument seine an ihn gestellten Erwartungen zur großen Zufriedenheit erfüllt. Die Erdklangflöte wird vielseitig eingesetzt, z.B. in pädagogischen Bereichen, für das Spielen in freier Natur, als Untermalung zu Lesungen von Geschichten und Märchen, für die Meditation, Therapie, Entspannung usw. Und natürlich auch aus reiner Freude an Musik und Klang. Die Flöte ist leicht zu spielen – noch nie war musizieren einfacher – und wird geschätzt von Leuten die noch nie ein Instrument gespielt haben, bis hin zu Profis und Musiklehrern (z.B. als »Gegenpol« zum notenabhängigen Musizieren).




Alf Jetzer und sein Erfindung - die Erdklangflöte

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Schweizer Musikzeitung, Dezember 2000

»Alles ist Klang - Zur Neuentwicklung einer Flöte.«  Der Flötenbauer und Musiker Alf Jetzer hat eine Flöte entwickelt, mit der er sich seinen Traum vom perfekten Klang erfüllt. Dabei entstand »seine« Flöte, die Erdklang-Flöte wie sie heißt. Mit der Genauigkeit eines Feinmechanikers und dem Gespür eines Künstlers tüftelte er solange, bis er den gewünschten Klang gefunden hat. Der Klang von der Erdklangflöte ist rauschig und unglaublich modulationsfähig, wobei die Grundfrequenz recht stabil bleibt. Das Instrument scheint beseelt; es fordert heraus, den eigenen Klang zu suchen.  

Schweizer Musikzeitung  •  Dezember 2000 



Windkanal - Das Forum für die Blockflöte, Ausgabe 4, 2000

Auf der »Suche nach Identität« verabschiedete sich Alf Jetzer vor gut zwanzig Jahren von der notierten Musik. Spontane Improvisation in größtmöglicher Freiheit vor musikalischer Konvention wurde sein Ideal – doch wollten die herkömmlichen Musikinstrumente nicht so recht dafür taugen. So begann Jetzer mit allerhand Instrumenten zu experimentieren. In seinem Basteltrieb werkelte er auch an einigen Blockflöten herum, war aber mit den Ergebnissen nicht so richtig zufrieden. Das war nicht der »volle Sound«, den er von den grundtönigen Flöten der Weltmusik-Szene im Ohr hatte. Schließlich ermutigten ihn jene Vorbilder, zylindrisch ausgehöhlte Bambusrohre zu bearbeiten. Auf die Labialfenster befestigte er verschiedene Aufsätze, um den Klang zu verstärken, ähnlich wie man dies beim Orgelpfeifenbau in Form so genannter Bärte praktiziert. Nach langem »Probieren bis zum Geht-Nicht- Mehr« hatte er seine Flötenart perfektioniert.


»Die Erdklangflöte ist ein archaisches Gefühlsinstrument. Im Prinzip braucht man nur einen sehr reichen Ton zu spielen, möglichst einfach, aber stark«, sagt Jetzer. Die Tonhöhe der Flöte pendelt sich in der Regel in Tenorlage um den Ton d’ ein. Tonlöcher und das Daumenloch werden nach dem pentatonischen Prinzip angeordnet, weil hier ohne Umwege erfolgreich erste musikalische Erfahrungen gemacht werden können. 

Seit etwa einem halben Jahr entstehen in einem kleinen Atelier in Zürich Kleinserien liebevoll gefertigter Instrumente. In Handarbeit werden die Flöten von Alf Jetzer fertiggestellt. Dabei ist lediglich eine Ecke des Raumes dem Instrumentenbau gewidmet. Gegenüber findet sich ein komplettes Tonstudio. Jetzer bezeichnet seine selbst zusammengestellte Technik nicht als Equipment, sondern ebenfalls als Instrument. Auf verblüffende Weise hat er es fertiggebracht, seine Klänge diskret zu verstärken. Dabei trennt er Live-Musik und Studiotechnik strikt: Zu Hause kann er durch Zuhilfenahme von Mehrspurtechnik alle Instrumente selbst übereinander ein spielen und hat damit seine über Jahre gesammelten Klangideen auf einer bemerkenswert eingängigen CD zusammengestellt.

Die »Erdklangflöte« rückt immer mehr ins Zentrum seines Schaffens, dem er in aller Stille seine ganze Energie widmet. Sie ist schon vereinzelt zu erwerben und es ist zu hoffen, dass sie bald einmal probierbereit auf einer Flötenausstellung mit ihrem Schöpfer anzutreffen sein wird. (Text: Dorothée Pudewell)

Windkanal - Das Forum für die Blockflöte  •  Ausgabe 4, 2000


Migros-Magazin, März 2008

»Wohlgefühltöne aus der Erdklangflöte.«  Alf Jetzer gab in der Vergangenheit Gitarrenunterricht. Und weil er immer gerne mit Klängen und mit Instrumenten experimentiert hatte, beschloss er 1988, ein neues Instrument zu erfinden. Damals hat Jetzer eine Bambusflöte ausprobiert und war von deren Klang begeistert. Doch er war überzeugt, dass man noch einiges verbessern könnte und zur Einsicht gelangte, dass er selber ein neues schaffen musste. Eines, das einfach zu spielen war und den Benützern möglichst rasch ein Erfolgerlebnis bescheren soll.  

Migros-Magazin  •  März 2008


Tages-Anzeiger, April 2008

»Über zwanzig Jahre hat der Zürcher Instrumentenbauer und Musiker, Alf Jetzer, in die Entwicklung seiner Wunderflöte investiert - und dabei nach dem vollkommenen Klang gesucht. Einem Klang, der so tief, warm und innig sein sollte, als ob er aus dem Innersten der Erde stammen würde.«


Von der Idee einer Erdklangflöte bis zum heutigen Endprodukt ist eine geraume Zeit vergangen: Ein Vierteljahrhundert. Während dieser Zeit hat Alf Jetzer das aus Ahorn geschnitzte Mundstück, die Wandstärke, die Dichte des Holzes, das Verhältnis des Rohrdurchmessers zur Länge akribisch genau aufeinander abgestimmt. Das Resultat ist ein Instrument von konzentrierter Ausdruckskraft, mit dem jeder und jede mit kleinstmöglichem Aufwand den bestmöglichen Klang erzeugen kann. Für diese Klangqualität übt man bei anderen Instrumenten jahrelang. Doch wer die Erdklangflöte spielt, schafft das schnell und leicht - gerade für Laien ein motivierendes Erfolgserlebnis.

Mit seinem Instrument will Jetzer ein neues Musikverständnis anregen: Weg von Leistungsdruck, Technik und Virtuosität, hin zur eigenen Intuition und zum Wohlgefühl, lautet die Botschaft eines Mannes, der seine Musik ohne Noten und die Instrumente ohne Vorlagen entwickelt.  

Tages-Anzeiger  •  April 2008


Zeitpunkt, September 2011

Eine Flöte erklärt sich selbst 


»Warum kann Musik nicht so einfach sein?«, fragte sich Alf Jetzer, wenn er früher beim Klarinette üben einfach drauflos spielte. Auch sieben Jahre Jugendmusik konnten ihn von der scheinbaren Notwendigkeit der Noten nicht überzeugen. «Musik ist einfach, wenn man einfach dran geht», sagt Jetzer. Mit seiner selbst entwickelten Erdklangflöte ist das auch für jene möglich, denen kaum musikalisches Talent in die Wiege gelegt wurde. »Der Klang ist das Zentrale«, erklärt Jetzer, »lieber weniger Töne, dafür klingt es besser.« Deshalb hat er die Flöte ganz auf D-Moll-Pentatonik ausgerichtet, hier kann man als Musiker so gut wie nichts mehr falsch machen. Angesprochen auf eine Bedienungsanleitung ergänzt Jetzer: »Die Flöte ist so einfach, dass sie sich fast selbst erklärt.«


Alf Jetzers Weg zum selbständigen Flötenbauer war lang. An die »Hungertuchperioden«, wie er sie nennt, erinnert er sich gut. Als er sich gerade als Taxifahrer oder Gitarrenlehrer durchschlug, seine Leidenschaft gehörte dem Instrumentenbau. Alles, was er darüber weiss, hat sich der ehemalige Feinmechaniker selbst beigebracht. Mal baute er eine Gitarre, die wie eine indische Sitar klang, dann eine komplette Elektrogitarre, bevor er schliesslich die Flöten entdeckte. Intuitive Instrumente seien das gewesen, erinnert sich Jetzer – fast nicht wiederholbar. 


Erst als ihn Leute ansprachen, merkte er, dass er ganz von vorne anfangen musste, um eine eigene Flöten zu kreieren. Nun verkauft Alf Jetzer seine Erdklangflöten schon seit etlichen Jahren. In seinem Atelier nahe beim Flughafen arbeitet er gerne bis tief in die Nacht. Da kann es schon sein, dass man weit unten ein Licht brennen sieht und – mitten im Tosen der Triebwerke – den warmen Klang einer Flöte vernimmt.


zeitpunkt
  •  Ausgabenummer 115, September 2011 


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Woher stammt die Erdklangflöte?

Die Wurzeln der Erdklangflöte beruhen im weiten Sinn auf der traditionellen Indianerflöte. Geografisch liegen die Ursprünge der nordamerikanischen Indianerflöte in den von Indianerstämmen besiedelten Gegenden nördlich von Mexiko. Dazu gehören das Staatsgebiet Kanadas, wo sie First Nations genannt, und die USA, wo sie als Native Americans oder American Indians bezeichnet werden. Die Indianerflöte wurde von folgenden Stämmen verwendet:

Alabama, Apache, Arpaho, Blackfoot, Cheyenne, Cree, Creek, Crow, Coeur d'Alene, Flathead, Hidatsa, Iroquois, Kalipsel, Kiowa, Kutenai, Lipan, Mandan, Menominee, Meskwaki, Mohave, Nez Perce, Northern Ute, Northern Omaha, Ojibwa, Okanagon, Paiute, Pawnee, Sanpoil, Seminole, Sioux, Shoshone, Shawnee, Umatillo, Taos, Tenino, Thompson, Yuchi und Winnebago.


Indianischen Legende

Nach einer indianischen Legende wurde die Flöte von der Natur erfunden und erzählt folgendes:

Es war einmal ein junger Jäger, der in die Tochter des Häuptlings verliebt war. Sie war sehr schön und alle jungen Männer wollten sie heiraten, aber der Häuptling fand keinen gut genug für seine Tochter. Wenn ein junger Mann sie heiraten wollte, musste er zuerst beweisen, dass er ein guter Jäger oder Krieger war. Eines Tages ging der junge Jäger auf die Jagd und er sah einen grossen Elch. Der Elch ist ein Tier, das am schwierigsten zu jagen ist, weil es so weise und schnell ist. Die Leute des Stammes waren hungrig und hatten kein Fleisch mehr. So würde es eine grosse Tat sein, den Elch zu erlegen. Der junge Jäger versuchte den Elch zu töten, doch jedes Mal, wenn er nahe genug war, um einen Pfeil abzuschiessen, bewegte sich der Elch ausser Reichweite. Das ging so weiter, bis es plötzlich dunkel war. Er entschied sich einen Platz zu suchen, um bis zum Morgen zu schlafen. Glücklicherweise fand er einen klaren Bach und trank ein wenig Wasser. Er hatte auch noch ein wenig Wasna  (Trockenes Fleisch mit Beeren und Büffelfett) bei sich. Nachdem er gegessen hatte, lehnte er sich an einen Baum und versuchte zu schlafen. Aber das Rauschen der Bäume und das Heulen der Wölfe hielten ihn wach.

Plötzlich hörte er ein anderes Geräusch. Ein Geräusch, das er und keine andere Person jemals zuvor gehört hatte. Eine wunderschöne Musik, eine Musik voller Hoffnung und Liebe. Dann schlief er ein. Er träumte von einem Specht, der zu ihm sagte: »Folge mir und ich will es dich lehren«. Als er Aufwachte, stand die sonne schon hoch am Himmel. Auf dem Ast unter dem er geschlafen hatte, sah er den gleichen Vogel wie in seinem Traum. Der Vogel flog von Baum zu Baum, aber nie sehr weit. Er schaute immer wieder zum Jäger zurück, als wollte er ihm sagen: »Komm und folge mir«. Schlussendlich landete der Vogel auf einer Zeder und begann Löcher in einen Ast zu picken. Der Jäger trat näher heran und bemerkte, dass die Musik von einem hohlen Ast kam. Als der Wind durch den hohlen Ast  blies, ertönte die wunderschöne Musik von Neuem. Der Jäger sagte zum Vogel: »Ich konnte den Elch nicht fangen, aber wenn ich dieses wundervolle ding nach Hause bringe und darauf spielen lerne, werden ich von der der Töchter des Häuptlings wie von ihr selbst respektiert und von den anderen Kriegern und Jägern verehrt«. Als er den Ast abbrechen, sprach der Vogel: »Ich brauche das. Aber baue dir ein anderes«. Als der Jäger wieder zurück in seinem Tipi war, versuchte er auf dem Ast zu spielen, aber er brach keinen Ton heraus. Das machte ihn sehr traurig. Er wollte die Musik unbedingt wieder hören. Er ging auf einen einsamen Hügel ohne Essen und Trinken. Er meditierte in der Hoffnung auf eine Vision die im zeigte, wie man eine Flöte herstellt. In der vierten Nacht hatte er einen Traum indem der Specht zu ihm kam und sich in einen Mann verwandelt hatte, der ihm zeigte, wie man den Ast zum Tönen bringen kann. »Sieh gut zu!« sagte der Vogelmann, als er aus dem Ast eine Flöte machte. Als der Jäger aufwachte, suchte er eine Zeder, bracht sich einen armlangen Ast ab und machte sich daraus eine Flöte. Als er sachte in das Mundstück blies, kam ein wunderschöner Ton heraus. In einer Nacht, während der Jäger an seine Liebe dachte, spielte er ein Lied. Er stand bei einem Baum und spielte in der Hoffnung, dass ihn seine Liebste hören würde. Und der Wind trug die Melodie bis zu ihrem Tipi. Sie sass am warmen Feuer und ass als sie die Töne hörte. Da trugen sie ihre Füsse nach draussen und sie lief der Melodie nach bis sie ihren jungen Jäger beim Baum fand.

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